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Liebe ist die höchste Errungenschaft, nach der ein Mensch streben kann. Sie ist ein Gefühl, das die ganze Tiefe des Herzens, des Geistes und der Seele umfasst.
Weisheit der Zensunni-Wanderer
Liet-Kynes und Warrick verbrachten einen gemeinsamen Abend in der Nähe des Splitterfelsens im Hagga-Becken. Sie hatten eine weitere der alten botanischen Teststationen geplündert und alles Brauchbare mitgenommen – ein paar Werkzeuge und Aufzeichnungen, die die Wüste jahrhundertelang konserviert hatte.
In den zwei Jahren seit ihrer Rückkehr aus der Südpolarregion hatten die jungen Männer Pardot Kynes von einem Sietch zum anderen begleitet, um die Fortschritte der alten und neuen Anpflanzungen zu begutachten. Der Planetologe unterhielt im Gipsbecken eine geheime Treibhaushöhle, einen isolierten Garten Eden, der demonstrieren sollte, wozu Dune einmal werden könnte. Windfallen und Destillatoren versorgten die Büsche und Blumen mit Wasser. Viele Fremen hatten Proben dessen erhalten, was im Demonstrationsprojekt herangewachsen war. Die süßen Früchte waren für sie wie ein heiliges Abendmahl; sie genossen den Geschmack mit ehrfürchtig geschlossenen Augen.
All dies hatte Pardot Kynes ihnen versprochen ... und all dies hatte er ihnen gegeben. Er war stolz, dass seine Visionen Wirklichkeit wurden. Und er war stolz auf seinen Sohn. »Eines Tages wirst du hier der Imperiale Planetologe sein, Liet«, sagte er und nickte feierlich dazu.
Obwohl er voller Leidenschaft über die Erweckung der Wüste sprach, von Grasflächen und Biodiversität, die für ein sich selbst erhaltendes Ökosystem notwendig war, gelang es Kynes nicht, irgendein Thema auf didaktisch geordnete Weise zu präsentieren. Warrick verfolgte jedes Wort, das er sagte, doch der Mann schweifte immer wieder scheinbar wahllos zu ganz anderen Dingen ab.
»Wir alle sind Teil eines großen Gewebes, und jeder von uns muss seinen eigenen Fäden folgen«, sagte Pardot Kynes mit unangemessener Begeisterung über seine Worte.
Häufig erzählte er Geschichten aus seiner Zeit auf Salusa Secundus, wie er eine Wildnis studiert hatte, an die sonst niemand einen zweiten Blick verschwendete. Der Planetologe hatte Jahre auf Bela Tegeuse verbracht und beobachtet, wie sich die zähe Vegetation trotz des schwachen Sonnenlichts und des sauren Bodens behauptete. Außerdem hatte er Reisen nach Harmonthep, III Delta Kaising, Gammont und Poritrin unternommen – und an den prächtigen Hof von Kaitain, wo Imperator Elrood IX. ihn mit der Erforschung Arrakis' beauftragt hatte.
Nachdem Liet und Warrick vom Splitterfelsen aufgebrochen waren, kam ein heftiger Wind auf – ein heinali. Liet stemmte sich gegen die staubigen Böen und deutete auf den Windschatten einer Felserhebung. »Wir sollten dort unser Lager aufschlagen.«
Warrick, der sein schwarzes Haar zu einem schulterlangen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, stapfte mit gesenktem Kopf voraus und öffnete bereits seinen Überlebenssatz. Gemeinsam hatten sie bald einen geschützten und getarnten Unterschlupf errichtet, in dem sie den Abend mit Gesprächen verbrachten.
In den zwei Jahren hatten die jungen Männer niemandem von Dominic Vernius und seiner Schmugglerbasis erzählt. Sie hatten dem Mann ihr Wort gegeben und das Geheimnis für sich behalten ...
Beide waren jetzt achtzehn Jahre alt und sollten bald heiraten. Doch Liet war so sehr von den Hormonen der Jugend berauscht, dass er sich nicht entscheiden konnte. Er fühlte sich mehr und mehr zu Faroula hingezogen, der gertenschlanken, rehäugigen, aber recht aufbrausenden Tochter von Heinar, dem Naib des Rotwall-Sietches. Faroula erhielt Unterricht in der Kräuterkunde und würde eines Tages eine angesehene Heilerin sein.
Unglücklicherweise hatte Warrick ebenfalls ein Auge auf Faroula geworfen. Daher musste Liet damit rechnen, dass sein Blutsbruder früher als er den Mut aufbrachte, die Tochter des Naibs zu fragen.
Die zwei Freunde schliefen ein, während sie auf das flüsternde Kratzen des Sandes lauschten, der wie Fingernägel über die Plane ihres Zeltes strich ...
Als sie am nächsten Tag durch die Sphinkter-Öffnung hinauskrochen und sich den puderfeinen Staub abklopften, starrte Liet auf die Weite des Hagga-Beckens hinaus. »Kull wahad!«
Der nächtliche Sturm hatte den Sand von einer großen weißen Fläche geweht, über der die Luft flimmerte. Es war die Salzablagerung eines uralten ausgetrockneten Meeres. »Eine Gipsebene. Ein seltener Anblick«, sagte Liet und fügte leiser hinzu: »Mein Vater würde sofort hinunterrennen, um Messungen vorzunehmen.«
Warrick erwiderte mit ehrfürchtig gesenkter Stimme: »Es heißt, wer Biyan sieht, das Weiße Land, darf sich etwas wünschen. Und dieser Wunsch wird ihm garantiert erfüllt.« Er verstummte und bewegte lautlos die Lippen, um seinen größten und sehnsüchtigsten Wunsch zu formulieren.
Liet beeilte sich, ebenfalls seinen innigsten Wunsch zu erklären. Er wandte sich an seinen Freund und verkündete: »Ich habe mir gewünscht, das Faroula meine Frau wird!«
Warrick lächelte amüsiert. »Zu dumm – ich habe mir genau das Gleiche gewünscht, mein lieber Blutsbruder.« Lachend klopfte er Liet auf die Schulter. »Wie es scheint, können nicht alle Wünsche erfüllt werden.«
* * *
Im Morgengrauen begegneten sie Pardot Kynes, als dieser am Sinusfelsen-Sietch eintraf. Die Ältesten des Sietches führten eine feierliche Begrüßungszeremonie durch; sie waren sichtlich stolz auf das, was sie erreicht hatten. Kynes ließ den Empfang anstandslos über sich ergehen und verzichtete auf viele Förmlichkeiten, weil er begierig darauf war, alles selbst zu inspizieren.
Der Planetologe begutachtete die Anpflanzungen unter den hellen Leuchtgloben, die das Sonnenlicht simulierten. Der Sand war mit Chemikalien und menschlichen Exkrementen gedüngt worden, um einen fruchtbaren Boden zu schaffen. Die Menschen vom Sinusfelsen bauten Mesquite, Salbei, Goldaster und sogar ein paar Saguaro-Säulenkakteen an. Frauen zogen in Gruppen von einer Pflanze zur nächsten, wie in einer religiösen Zeremonie, um ihnen Wasser zu geben.
Die steilen Wände in der abgeschotteten Schlucht des Sinusfelsen-Sietches fingen an jedem Morgen ein wenig Feuchtigkeit ein. Tausammler am oberen Rand der Schlucht gewannen verdunstetes Wasser aus der Luft zurück und führten es den Pflanzen zu.
Am Abend wanderte Kynes durch die Gärten und beugte sich immer wieder hinab, um Blätter und Stiele zu studieren. Er hatte bereits vergessen, dass sein Sohn und Warrick hierher gekommen waren, um sich mit ihm zu treffen. Seine Leibwächter Ommun und Turok blieben ständig in seiner Nähe und waren bereit, notfalls ihr Leben einzusetzen, sollte irgendjemand ihren Umma bedrohen. Liet beobachtete, wie konzentriert sein Vater seiner Arbeit nachging, und fragte sich, ob dem Mann überhaupt bewusst war, welch tiefe Ergebenheit diese Menschen ihm entgegenbrachten.
Am Eingang der schmalen Schlucht, wo nur ein paar Felsblöcke eine Barriere gegen die offene Wüste bildeten, hatten Fremen-Kinder helle Leuchtgloben angebunden, die auf den Sand hinausstrahlten. Alle Kinder hatten verbogene Metallstangen dabei, die von einer Abfalldeponie bei Carthag stammten.
Liet und Warrick genossen die Stille und Beschaulichkeit der anbrechenden Nacht und hockten sich auf einen Felsen, um die Kinder zu beobachten. Warrick schnupperte und blickte sich zum künstlichen Sonnenlicht über den Sträuchern und Kakteen um. »Die kleinen Bringer werden von der Feuchtigkeit angezogen wie Eisenspäne von einem Magneten.«
Liet hatte das Phänomen schon des Öfteren beobachtet, hatte sich als Kind sogar an diesem Spiel beteiligt, aber es faszinierte ihn immer wieder, wenn er sah, wie die Kleinen im Sand stocherten, um Sandforellen zu fangen. »Sie werden leichte Beute machen.«
Eins der jungen Mädchen ließ einen Tropfen Speichel auf das Ende ihres Metallstabs fallen, dann hielt sie es über den Sand. Die Miniatur-Leuchtgloben warfen tiefe Schatten über den unebenen Boden. Etwas regte sich unter der Oberfläche und schob sich nach oben.
Die Sandforellen waren weiche, formlose Geschöpfe, die nach dem Tod hart und ledrig wurden. Wenn es zu einer Gewürzeruption kam, fand man in der Umgebung viele kleine Bringer, die in der Implosion umgekommen waren. Die meisten jedoch gruben sich ein, um das freigesetzte Wasser zu binden, damit es dem Shai-Hulud nicht schaden konnte.
Eine Sandforelle streckte dem feuchten Ende der Stange ein Pseudopodium entgegen. Als sie den Speichel des Mädchens berührte, drehte das Fremen-Kind den Stab und hob ihn an. Die Sandforelle wurde aus dem Boden gezogen und klebte wie Zuckerwatte am Stab, den das Mädchen ständig weiter drehte, damit der amorphe kleine Bringer nicht herabfiel. Die anderen Kinder lachten.
Ein zweites Kind hatte eine Sandforelle gefangen, und beide liefen zu den Felsen zurück, wo sie mit ihrer Beute spielten. Sie stachen ins weiche Fleisch, das ein paar Tröpfchen eines süßen Sirups freisetzte, eine Delikatesse, die auch Liet in seiner Kindheit geliebt hatte.
Er hätte gerne selbst sein Glück in diesem Spiel versucht, aber er rief sich ins Gedächtnis, dass er jetzt erwachsen und ein vollwertiges Mitglied seines Stammes war. Er war der Sohn von Umma Kynes; die anderen Fremen würden die Nase rümpfen, wenn er sich solch kindlichen Spielen hingab.
Warrick saß gedankenverloren neben ihm auf dem Felsen, sah den Kindern zu und dachte an seine eigene künftige Familie. Er blickte in den Himmel, der sich rötlich verfärbt hatte. »Es heißt, dass die Zeit der Stürme die beste Zeit für die Liebe ist.« Er runzelte die Stirn und stützte dann sein schmales Kinn in eine Hand, um zu grübeln. Ihm war bereits ein feiner Bart gewachsen.
Liet lächelte. Er achtete darauf, dass sein Gesicht stets rasiert war. »Für uns ist es an der Zeit, dass wir uns eine Partnerin erwählen, Warrick.« Beide Freunde dachten an Faroula. Die Tochter des Naibs führte beide an der Nase herum, während sie sich unnahbar gab und doch ihre Aufmerksamkeit genoss. Liet und Warrick brachten ihr jedes Mal besondere Dinge aus der Wüste mit, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten.
»Vielleicht sollten wir die Entscheidung nach der Fremen-Sitte treffen.« Aus einer Tasche am Gürtel zog Warrick zwei polierte Knochensplitter, die so lang wie Messer waren. »Wollen wir das Los entscheiden lassen, wer um Faroulas Hand anhalten darf?«
Liet besaß seine eigenen Spielstäbchen; er und sein Freund hatten sich damit in vielen Nächten die Zeit vertrieben. Es waren Kerbhölzer mit seitlich eingeritzten Zufallszahlen. Die Fremen warfen sie in den Sand und lasen ab, bei welcher Zahl sie stecken geblieben waren. Wer den höchsten Wert erzielte, hatte gewonnen. Bei diesem Spiel war sowohl das Geschick als auch das Glück ausschlaggebend.
»Wenn wir mit den Kerbhölzern spielen, würde ich dich natürlich schlagen«, sagte Liet lässig zu Warrick.
»Das bezweifle ich.«
»Auf jeden Fall würde sich Faroula niemals dem Ergebnis des Spiels beugen.« Liet lehnte sich gegen den kühlen Felsen. »Vielleicht ist es Zeit für eine Ahal-Zeremonie, in der die Frau ihren Mann erwählt.«
»Glaubst du, dass Faroula sich für mich entscheiden würde?«, fragte Warrick melancholisch.
»Natürlich nicht.«
»In den meisten Angelegenheiten vertraue ich deinem Urteilsvermögen, mein Freund – aber nicht in dieser.«
»Vielleicht werde ich sie einfach fragen, wenn wir wieder zu Hause sind«, sagte Liet. »Sie kann sich keinen besseren Ehemann als mich wünschen.«
Warrick lachte. »Bei jeder Herausforderung beweist du dich als tapferer Mann, Liet-Kynes. Aber wenn es um eine schöne Frau geht, bist du ein erbärmlicher Feigling.«
Liet schnaufte entrüstet. »Ich habe etwas für sie gedichtet. Ich werde es aufschreiben und vor ihrer Tür ablegen.«
»Aha?«, spöttelte Warrick. »Würdest du auch den Mut aufbringen, es mit deinem Namen zu unterzeichnen? Was ist das für ein Gedicht?«
»Ein Liebesgedicht«, sagte Liet und trug es mit geschlossenen Augen vor:
Viele Nächte träume ich am offenen Wasser und höre den Wind vorbeistreichen;
Viele Nächte liege ich an der Schlangengrube und träume von Faroula.
Ich sehe, wie sie Gewürzbrot auf heißen Eisenplatten backt
Und sich Wasserringe ins Haar flicht.
Der süße Duft ihres Busens dringt an meine Sinne;
Auch wenn sie mich quält und unterdrückt, soll sie bleiben, wie sie ist;
Sie ist Faroula, sie ist meine Liebe.
Ein Sturm tobt durch mein Herz;
Schau das klare Wasser des Qanat, wie es sanft schimmert.
Liet öffnete die Augen, als würde er aus einem Traum erwachen.
»Ich habe schon bessere Gedichte gehört«, sagte Warrick. »Selbst ich habe schon bessere geschrieben! Aber du hast ein gewisses Talent. Vielleicht findest du tatsächlich eine passable Frau. Aber auf keinen Fall Faroula.«
Liet spielte den Beleidigten. Schweigend beobachteten sie die Fremen-Kinder, die immer noch Sandforellen fingen. Er wusste, dass sein Vater irgendwo tief in der Schlucht über Möglichkeiten nachdachte, wie das Pflanzenwachstum verbessert werden konnte, durch welche zusätzlichen Arten die Fruchtbarkeit des Bodens gesteigert und die Transformation beschleunigt werden konnte. Er hat wahrscheinlich niemals im Leben mit einer Sandforelle gespielt, dachte Liet.
Die jungen Männer starrten in die Nacht hinaus und hingen ihren Gedanken nach. Nach einer ganzen Weile sprachen beide gleichzeitig. Dann lachten sie und einigten sich. »Ja, wir beide werden sie fragen, wenn wir in den Rotwall-Sietch zurückgekehrt sind.«
Sie hofften ... doch insgeheim waren sie erleichtert, dass sie die Entscheidung aus den Händen gegeben hatten.
* * *
In Heinars Sietch herrschte reges Treiben, als die Fremen den zurückgekehrten Pardot Kynes begrüßten.
Die junge Faroula stemmte die Hände in die schlanken Hüften und sah zu, wie sich die Gruppe durch die feuchtigkeitsversiegelte Tür schleuste. Ihr langes schwarzes Haar mit den eingeflochtenen Wasserringen hing in seidigen Schleifen bis zur Schulter herab; ihr Gesicht war schmal und elfenhaft. Ihre großen Augen unter den geschwungenen Augenbrauen waren wie Teiche bei Mitternacht. Ihre braunen Wangen waren leicht gerötet.
Zuerst sah sie Liet an, dann Warrick. Ihre Miene war ernst, auch wenn sie die Lippen ein klein wenig verzogen hatte; insgeheim war sie keineswegs beleidigt, sondern sehr angetan von der Frage, die die zwei jungen Männer ihr soeben gestellt hatten.
»Und warum sollte ich mich ausgerechnet für einen von euch beiden entscheiden?« Faroula musterte ihre zwei Verehrer und überließ sie noch eine Weile der Qual der Ungewissheit. »Was macht euch so zuversichtlich?«
»Aber ...« Warrick schlug sich auf die Brust. »Ich habe gegen viele Harkonnens gekämpft. Ich habe einen Sandwurm geritten und bin bis zum Südpol vorgestoßen. Ich habe ...«
Liet unterbrach ihn. »Ich habe genauso viel wie Warrick geleistet – und ich bin der Sohn von Umma Kynes, sein Erbe und sein Nachfolger als Planetologe. Eines Tages werde ich diesen Planeten vielleicht verlassen, um den Hof des Imperators auf Kaitain zu besuchen. Ich bin ...«
Faroula schnitt die Prahlereien mit einer ungeduldigen Geste ab. »Und ich bin die Tochter des Naibs Heinar. Ich kann jeden Mann haben, für den ich mich entscheide.«
Liet stieß ein leises, tiefes Murren aus und ließ die Schultern hängen. Warrick sah seinen Freund an, doch dann riss er sich wieder zusammen. »Nun ... dann entscheide dich!«
Faroula lachte, dann hielt sie schnell die Hand vor den Mund, um wieder eine ernste Miene aufzusetzen. »Ihr habt bewundernswerte Qualitäten ... zumindest einige. Und wenn ich mich nicht bald entscheide, schätze ich, dass ihr euch irgendwann gegenseitig umzubringen versucht, um meine Gunst zu gewinnen – als würde ich Wert auf solche Eskapaden legen!« Sie warf den Kopf zurück, wodurch ihre Wasserringe klingelnd aneinander schlugen.
Dann legte sie nachdenklich einen Finger an die Lippen. Ihre Augen funkelten verschmitzt, als sie sagte: »Gebt mir zwei Tage Bedenkzeit. Diese Entscheidung will gut überlegt sein.« Als sich die beiden nicht von der Stelle rührten, wurde ihr Tonfall schärfer. »Glotzt mich nicht so an! Habt ihr nichts zu tun? Eins kann ich euch sagen: Ich werde niemals einen faulen Mann heiraten!«
Liet und Warrick traten sich gegenseitig auf die Füße, als sie gleichzeitig losstürmen wollten, um sich irgendeiner wichtig erscheinenden Aufgabe zu widmen.
* * *
Nachdem er zwei quälend lange Tage gewartet hatte, fand Liet eine verschnürte Botschaft in seinem Zimmer. Er riss das Gewürzpapier auf, und sein Herz pochte gleichzeitig vor Aufregung und Verzweiflung. Wenn sich Faroula für ihn entschieden hätte, wäre sie dann nicht zu ihm gekommen, um es ihm persönlich zu sagen? Doch als er die Worte überflog, die sie geschrieben hatte, ging sein Atem immer schneller.
Ich warte in der Höhle der Vögel. Ich werde den Mann nehmen, der mich als Erster findet.
Das war der ganze Inhalt der Botschaft. Liet starrte sie eine Weile an, dann rannte er durch die Gänge des Sietches, bis er Warricks Zimmer erreicht hatte. Er zog den Vorhang beiseite und sah, wie sein Freund in aller Eile die Dinge zusammenpackte, die für einen langen Marsch durch die Wüste überlebensnotwendig waren.
»Sie hat uns zum Mihna-Wettbewerb herausgefordert«, sagte Warrick und warf ihm einen Blick über die Schulter zu.
Es war eine Prüfung, bei der die jungen Fremen-Männer ihre Männlichkeit bewiesen. Beide sahen sich einen Moment lang wie erstarrt an.
Dann wirbelte Liet herum und eilte zu seinem Zimmer zurück. Er wusste nur zu gut, was er zu tun hatte.
Der Wettlauf hatte begonnen.